

Geschichte
Bereits lange vor der Ankunft der Spanier lebten im Gebiet des heutigen Kolumbiens indianische Hochkulturen. Aufgrund der komplexen Topographie entwickelte sich im vorkolonialen Kolumbien jedoch nie ein einheitliches Staatsgebilde, wie dies das Reich der Inka in Peru darstellte. „Entdeckt“ wurde Kolumbien 1502 von dem Mann, der dem Land seinen Namen gab: Christoph Kolumbus. Er setzte jedoch nie einen Fuß auf kolumbianischen Boden und überließ dies nachfolgenden Conquistadoren, die angelockt von Gold und Smaragden in rascher Folge das Land besetzten. Aufgrund seiner zentralen Bedeutung für die spanischen Besitzungen im nördlichen Südamerika wurde Bogotá zum Sitz des „Vizekönigreichs von Neu-Granada“ erhoben. Cartagena de Indias entwickelte sich während der Kolonialzeit zu einem der wichtigsten – und bestgeschützten – Häfen der neuen Welt.
Die zunehmende Herausbildung einer selbstbewussten Oberschicht in den Kolonien, gepaart mit der Schwächung Spaniens zur Zeit Napoleons, führte zur Unabhängigkeitsbewegung. Angeführt von Simón Bolívar gelang es Kolumbien, seine Unabhängigkeit zu erringen. Der Traum Bolívars von einem „Groß-Kolumbien“, das Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Panama vereinte, währte jedoch weniger als zehn Jahre. Das Gebilde zerfiel 1830 in seine Einzelteile und der Befreier verstarb verbittert in Santa Marta.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte Kolumbien eine Blütezeit, die eng verbunden war mit dem Aufstieg eines Exportprodukts: Kaffee. In den 1920er-Jahren machte Kaffee bis zu 90% der kolumbianischen Exporte aus und ermöglichte es dem Land, in den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu investieren und die staatlichen Institutionen zu stärken. Die Schattenseite dieses Booms waren zunehmende soziale Spannungen. Die Ermordung des linkspopulistischen Präsidentschaftskandidaten Jorge Eliécer Gaitán am 9. April 1948 in Bogotá führte dazu, dass der bereits seit 1946 in ländlichen Gebieten zwischen Liberalen und Konservativen tobende Bürgerkrieg (La Violencia) nun auch in die Städte getragen wurde. Als Folge der Violencia, die sich noch bis etwa 1963 hinzog, wurde die so genannten "Nationale Front" (1958 bis 1974) etabliert, ein paritätisches Regierungssystem, bei dem sich die beiden Traditionsparteien im Wechsel von vier Jahren an der Macht ablösten.
In den 70er Jahren begannen linksgerichtete Akteure (FARC, ELN, M-19), mit Gewalt am politischen Prozess teilzunehmen. Paramilitärische Verbände hielten Teile des Landes im Auftrag von Großgrundbesitzern besetzt. Die zeitgleich zunehmend an wirtschaftlicher Macht gewinnende Drogenmafia sah sich seit Anfang der neunziger Jahre durch das Eingreifen der USA in den lokalen Drogenkrieg bedroht. Zeitweise kooperieren Guerilla und Paramilitärs mit den Drogenkartellen gegen Regierungstruppen.
Dem 2002 gewählten und 2006 wiedergewählten Präsidenten Alvaro Uribe gelang es durch konsequentes Vorgehen die Guerilla zurückzudrängen und gleichzeitig einen Demobilisierungsprozess für die Paramilitärs einzuleiten. Parallel dazu sorgte eine liberale Wirtschaftspolitik für ein starkes Wirtschaftswachstum. Das führte dazu, dass das Vertrauen der Bevölkerung in eine bessere und gewaltfreie Zukunft stark angestiegen ist. Verglichen mit der Stimmung Ende der neunziger wird Kolumbien regelrecht von einer Welle von Optimismus getragen. Städte wie Bogotá und Medellín gehören mittlerweile bezüglich Lebensqualität zu den attraktivsten Städten Lateinamerikas. Überlandreisen sind inzwischen wieder problemlos möglich.